May.18

Festival als Zukunftsvision

Foto: Patrícia J. Reis, „Penetrating the black box“ at Coded Cultures

Technik-Visionen und „Ziviler Ungehorsam“ breiten sich von 19. bis 29. Mai 2016 in einer ehemaligen Polizeiinspektion in Wien (Innere Stadt, Am Hof 3-4) aus. Was das bedeutet, kann man sich bei Coded Cultures: OPENISM bei freiem Eintritt ansehen. Zu erleben gibt es täglich von 10:00 bis 22:00 Uhr Performances, Workshops, Musik, künstlerische Interventionen und Diskussionen. Das abschließende Fachsymposium Open Hardware Europe Summit richtet sich an ein Fachpublikum.

Ganze fünf Jahre sind seit der letzten Festivalausgabe von Coded Cultures vergangen. Die Themen der 2004 gegründeten Festivalreihe haben sich von Medienkunst, Digitaler Kunst und Netzkultur bis zum Jahr 2016 immer wieder verändert. Coded Cultures wird ab diesem Jahr vom Research Institute for Arts and Technology (RIAT) weiter geführt. Untersucht werden nunmehr frei verfügbare, offen dokumentierte Technologien, sowie neu entstehende, durch die Open Source und Open Hardware Bewegung geprägte Kunstrichtungen.

Das Festivalmotto „OPENISM“ soll einen Shift, eine Veränderung hin zu mehr Offenheit in unserer Gesellschaft andeuten — oder zumindest davon träumen lassen.

Location setup #codedcultures – es wird noch gehackt und gebohrt

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Die Location in der ehemaligen Polizeiinspektion wird zu einem Repair Café und Performance Raum umgestaltet. Die Eröffnung Coded Cultures Opening (FB-Event) ist am 19. Mai 2016, 18:00 Uhr.

Film, TV & Kino

Sep.16

Das ewige Leben des Herrn Mandelbrot

(Foto: R.Pyrker. Mein Großvater mit seinem 16-bit Computer IBM 80286, EGA-Monitor und 5¼“ Diskette, 1987)

Wer malt den Himmel blau? Woher kommen die Wolken? Wie zeichnen Computer unsere Welt? Benoît Mandelbrot wusste eine Antwort darauf. Der Mathematiker schuf mit seiner Forschung zur fraktalen Geometrie die Grundlage moderner Computeranimation. Die Berechnung wunderschöner Fraktale mit Hilfe einfacher Formeln ermöglicht künstlich generierte Landschaften und Bilder. Die Methode wird für zahlreiche heutige Anwendungen eingesetzt, von Atombomben-Simulationen bis hin zu aktuellen Filmeffekten.

Einer der größten Fans von Mandelbrot war mein eigener Großvater, der auf dem Foto oben bei seiner Lieblingsbeschäftigung zu sehen ist: Programmieren in BASIC, anno 1987.

Auf der „TED Talks“ Konferenz 2010 gab der sympathische Wissenschafter seinen letzten öffentlichen Auftritt. Die berühmte Vortragsreihe aus den USA lädt regelmäßig Wissenschafter, Unternehmer, Künstler und Visionäre ein, ihr Publikum mit einer Idee zu infizieren. Am 22. Oktober 2011 im Studio 44 findet in Wien das bereits zweite, unabhängig organisierte TEDxVienna Event statt. Die Veranstalter haben zu einer Blogparade der liebsten TED-Videos aufgerufen, um darauf aufmerksam zu machen und Tickets unter den Teilnehmern zu verlosen.


In den frühen achtziger Jahren „hackten“
Computer Freaks und Nerds einsam vor sich hin, beherrscht vom Klischee des schüchternen Buben, der sich hinter dem PC verkriecht. Es waren erst Kultfilme wie WARGAMES, MANHATTAN PROJECT oder TRON, die aus den Hornbrillen tragenden Einsiedlern wahre Hipster ihrer Zeit machten. Aus pickeligen Jugendlichen wurden Pixelkünstler. Sie knackten („cracken“) nicht nur den digitalen Kopierschutz von Spielen oder brachen in fremde PC-Systeme ein („hacken“), sondern sie erschufen digitale Kunst. Sie kreierten in ihrer Freizeit sogenannte „Demos“, aus mathematischen Algorithmen in Echtzeit ablaufende Computeranimationen. Der originäre Stil der Animationen und Chiptunes-Musik beeinflusste sogar Hollywood-Studios wie Pixar. Bis heute ist diese aus kreativen Spezialisten zusammen gesetzte Subkultur Demoscene aktiv.

Mandelbrot Fraktal (cc) Wikimedia/Wolfgangbeyer

Mit der Ausstellung electronic kindergarten versuchten meine Kollegen und ich beim Netzkultur-Festival [d]vision 2001, den „Spirit“ jener Zeit wieder aufleben zu lassen. Viele der damaligen „Helden im Kinderzimmer“ wurden zu erfolgreichen IT-Unternehmern, Game Developern, Kulturforschern. Eine weitere Annäherung an die Wurzeln der digitalen Kultur unternahm [d]vision 2008 mit dem Festival realtime generation. Die Ausstellung präsentierte Demoscene-Künstler bei frame[o]ut Open Air Vorführungen im MuseumsQuartier Wien. Wir hatten sogar versucht, Mandelbrot selbst als Vortragenden nach Wien zu holen. Was uns blieb, waren seine Fraktale.

Den TED Talk mit dem genialen Mathematiker Mandelbrot gibt es als Video Online (mit deutschen Untertiteln):

Benoît Mandelbrot steckte mit seiner Idee ganze Generationen von
Visionären, Geeks, Phreaks, Nerds, Hipstern, und Filmfreaks an.
Machen wir es ihm nach. Denn wer eine Vision hat, braucht keinen Arzt,
sondern einen Computer. Wir sehen uns bei TEDxVienna!

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