Sep.16

Alltagsfaschismus

(Fotos: R.Appel, mehr Fotos siehe photobasis.net)

KASSBACH – der Klassiker über Alltagsfaschismus in Österreich wird vom Filmarchiv Austria in vier Sondervorstellungen gezeigt. Passend zu den Wiener Wahlen fand am 3. Oktober 2010 im Wiener Metro Kino eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion statt. Gäste: Regisseur Peter Patzak, Tibor Zenker (Sohn des verstorbenen Autors Helmut Zenker), Journalist Peter Huemer, Zeithistoriker Siegfried Mattl und Politikwissenschafterin Sigrid Maurer (ÖH-Vorsitzende) unter der Moderation von Herausgeber Andreas Ungerböck. Die vierte Vorführung ist am Wahlsonntag.

Original-Sonderplakat KASSBACH

Kassbach ist längst ein Klassiker, der den Neuen österreichischen Film prägte, noch bevor es diesen Begriff und noch bevor es eine installierte Filmförderung hierzulande überhaupt gab. Er war zu unzähligen Festivals auf der ganzen Welt eingeladen, unter anderem zu den Filmfestspielen in Berlin, und hat nichts von seiner schockierenden Klarsicht und Aktualität verloren. Das Drehbuch von Patzak und Helmut Zenker basiert auf Zenkers Roman Kassbach oder das allgemeine Interesse an Meerschweinchen aus dem Jahr 1974.

In dieser beklemmenden Studie des Alltagsfaschismus in Österreich geht es um den Gemüsehändler Karl Kassbach, einen an der Oberfläche typischen gemütlichen Wiener. Er bedrängt nicht nur sein Lehrmädchen sexuell, sondern ist darüber hinaus Mitglied einer rechtsradikalen Gruppierung, die gerne Linke und so genannte Gastarbeiter zusammenschlägt oder zu Übungszwecken auf Meerschweinchen schießt. Dumpfe Ressentiments und das blitzschnelle Umschlagen von scheinbar harmloser Normalität in blanke Aggression machen Kassbach zu einer Art wandelnder Zeitbombe: „Ich habe Dinge verarbeitet, die man in Wien sehen und hören kann. Ich will die Leute auf Töne, Sätze, Reaktionen, Symbole aufmerksam machen, damit man sie endlich erkennen und nicht mehr bagatellisieren kann, sagte Peter Patzak seinerzeit über den Film. Dinge wie diese kann man auch 2010 in Wien immer noch hören und sehen.

In den Hauptrollen sind der unvergessliche Walter Kohut sowie Immy Schell, Konrad Becker, Maria Englstorfer, Hanno Pöschl und Franz Buchrieser zu sehen. Für die Vorführungen wurde eine neue 35mm-Kopie gezogen, die von der SATEL Privatstiftung zur Verfügung gestellt wird.

Termine im Metro-Kino
(Johannesgasse 4, 1010 Wien)
So 3.10., 17:00 anschl. Podiumsdiskussion
Di 5.10., 21:00
Do 7.10., 18:45
So 10.10., 16:30

Podiumsdiskussion
Im Anschluss an die Vorführung am 3. Oktober diskutieren Peter Patzak, Tibor Zenker (Sohn des verstorbenen Autors Helmut Zenker), der Journalist Peter Huemer, der Zeithistoriker Siegfried Mattl und Politikwissenschafterin Sigrid Maurer (ÖH-Vorsitzende) unter dem Motto Kassbach 1979? 2010?. Moderation: Andreas Ungerböck (Herausgeber, ray Filmmagazin).

Pressebüro Pyrker
Kontakt: Richard Pyrker

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