Sep.16

Das ewige Leben des Herrn Mandelbrot

(Foto: R.Pyrker. Mein Großvater mit seinem 16-bit Computer IBM 80286, EGA-Monitor und 5¼“ Diskette, 1987)

Wer malt den Himmel blau? Woher kommen die Wolken? Wie zeichnen Computer unsere Welt? Benoît Mandelbrot wusste eine Antwort darauf. Der Mathematiker schuf mit seiner Forschung zur fraktalen Geometrie die Grundlage moderner Computeranimation. Die Berechnung wunderschöner Fraktale mit Hilfe einfacher Formeln ermöglicht künstlich generierte Landschaften und Bilder. Die Methode wird für zahlreiche heutige Anwendungen eingesetzt, von Atombomben-Simulationen bis hin zu aktuellen Filmeffekten.

Einer der größten Fans von Mandelbrot war mein eigener Großvater, der auf dem Foto oben bei seiner Lieblingsbeschäftigung zu sehen ist: Programmieren in BASIC, anno 1987.

Auf der „TED Talks“ Konferenz 2010 gab der sympathische Wissenschafter seinen letzten öffentlichen Auftritt. Die berühmte Vortragsreihe aus den USA lädt regelmäßig Wissenschafter, Unternehmer, Künstler und Visionäre ein, ihr Publikum mit einer Idee zu infizieren. Am 22. Oktober 2011 im Studio 44 findet in Wien das bereits zweite, unabhängig organisierte TEDxVienna Event statt. Die Veranstalter haben zu einer Blogparade der liebsten TED-Videos aufgerufen, um darauf aufmerksam zu machen und Tickets unter den Teilnehmern zu verlosen.


In den frühen achtziger Jahren „hackten“
Computer Freaks und Nerds einsam vor sich hin, beherrscht vom Klischee des schüchternen Buben, der sich hinter dem PC verkriecht. Es waren erst Kultfilme wie WARGAMES, MANHATTAN PROJECT oder TRON, die aus den Hornbrillen tragenden Einsiedlern wahre Hipster ihrer Zeit machten. Aus pickeligen Jugendlichen wurden Pixelkünstler. Sie knackten („cracken“) nicht nur den digitalen Kopierschutz von Spielen oder brachen in fremde PC-Systeme ein („hacken“), sondern sie erschufen digitale Kunst. Sie kreierten in ihrer Freizeit sogenannte „Demos“, aus mathematischen Algorithmen in Echtzeit ablaufende Computeranimationen. Der originäre Stil der Animationen und Chiptunes-Musik beeinflusste sogar Hollywood-Studios wie Pixar. Bis heute ist diese aus kreativen Spezialisten zusammen gesetzte Subkultur Demoscene aktiv.

Mandelbrot Fraktal (cc) Wikimedia/Wolfgangbeyer

Mit der Ausstellung electronic kindergarten versuchten meine Kollegen und ich beim Netzkultur-Festival [d]vision 2001, den „Spirit“ jener Zeit wieder aufleben zu lassen. Viele der damaligen „Helden im Kinderzimmer“ wurden zu erfolgreichen IT-Unternehmern, Game Developern, Kulturforschern. Eine weitere Annäherung an die Wurzeln der digitalen Kultur unternahm [d]vision 2008 mit dem Festival realtime generation. Die Ausstellung präsentierte Demoscene-Künstler bei frame[o]ut Open Air Vorführungen im MuseumsQuartier Wien. Wir hatten sogar versucht, Mandelbrot selbst als Vortragenden nach Wien zu holen. Was uns blieb, waren seine Fraktale.

Den TED Talk mit dem genialen Mathematiker Mandelbrot gibt es als Video Online.

Benoît Mandelbrot steckte mit seiner Idee ganze Generationen von
Visionären, Geeks, Phreaks, Nerds, Hipstern, und Filmfreaks an.
Machen wir es ihm nach. Denn wer eine Vision hat, braucht keinen Arzt,
sondern einen Computer. Wir sehen uns bei TEDxVienna!

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Aug.10

Neuer Journalismus

(Foto: G.Schütz. Superbertram, Kunstfigur und Maskottchen von Supertaalk)

Eine politische Diskussionssendung im Internet, ohne Unterstützung eines großen Mediums, funktioniert das? Der selbstentwickelte Medienkanal Supertaalk beweist es mit Video-Livestreaming, spannenden Gästen und einem lebendigen „Rückkanal“ zum Publikum über Twitter und Facebook. Das innovative Sendungsformat wurde am 10.08.2011 mit dem „New Media Journalism Award“ des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC) ausgezeichnet.

Das Projekt Supertaalk ist aus dem Politikblog nonapartofthegame.eu und der Video-Plattform ichmachpolitik.at entstanden und wird von Florian Christof, Maria Herold, Markus Otti, Werner Reisinger, Karl Schönswetter, Georg Schütz, Maria Sulzer und Markus Kienast organisiert. Die Inhalte und Gäste der monatlichen Sendungen entstehen in gemeinsamen Redaktionssitzungen.

Das Supertaalk Studio im Adria Wien. Foto: G.Schütz

Der Historiker und Mitarbeiter Werner Reisinger dazu:

„Man braucht sich nur anzusehen, wie klassischer TV-Journalismus punkto Themenauswahl funktioniert, wie schwer er es auch hat, an die jüngeren heranzutreten. Wir beobachten politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen, nicht nur aus heimischer sondern auch aus europäischer oder globaler Perspektive.

Das heißt, wir versuchen Zentrales zu erkennen und dann die berühmten Meta-Fragen zu stellen. Was genau gebracht wird, ergibt sich aus einer längeren redaktionellen Diskussion, wo wir konsensual entscheiden.“


Dabei ist der Supertaalk keine „Fernseh“-Sendung.
Reisinger sieht die Abgrenzung zu klassischen Medien anhand interaktiver Elemente wie Open Mic (jede_r darf das Wort ergreifen), Twitter, Facebook und weiterer Eingriffsmöglichkeiten für das Publikum: „Abgerundet wird diese Form von Journalismus durch Reaktionen, Diskussionen und Beiträgen auf Blogs. Die Sendung ist also bereits fest in die ‚Neuen Medien‘ eingebettet.“ Der Name „Supertaalk“ ist dabei selbstironisch gemeint, die Schreibweise mit dem doppelten „aa“ weist auf die extra lange Sendezeit hin.

Das neuartige Format hat sich die Auszeichnung des Österreichischen Journalisten Clubs aber auch mit seinen spannenden und hintergründigen Inhalten verdient. Juryvorsitzender und ÖJC-Präsident Fred Turnheim betont, dass sich die Leute von Supertaalk „nicht von der Tagesaktualität und von Skandalen hetzen lassen, sondern dass ausschließlich Themen diskutiert werden die gesamtgesellschaftliche Relevanz haben“.

Als ÖJC-Vorstandsmitglied (2010 bis 2012) freue ich mich, dass ich Teil der Jury war. Der nächste Supertaalk findet im Herbst wieder statt. In Bild, Ton und sogar „zum Anfassen“ am Aufzeichnungsort Adria am Donaukanal Wien.
Website: Supertaalk.com

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